Reaktion Wochen später

Schwere Komplikationen: Corona-Syndrom bei Kindern lässt Wissenschaftler rätseln

Über das Entzündungssyndrom PIMS ist noch nicht viel bekannt.
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Über das Entzündungssyndrom PIMS ist noch nicht viel bekannt.

Wochen nach einer Corona-Infektion ist bei einigen Kindern das Entzündungssyndrom „PIMS“ aufgetreten. Experten sind sich bei Erklärungsansätzen noch uneinig.

München - Kinder haben bislang nur eine untergeordnete Rolle im Verlauf der Corona-Pandemie* gespielt. Zwar wurde diese während der dritten Welle zunehmend größer, jedoch ist das Risiko, dass Kinder an Covid-19* sterben, verschwindend gering. Bis zum 21. April wurden laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 1373 Kinder und Jugendliche mit Corona in einer Klinik aufgenommen. Davon mussten fünf Prozent auf der Intensivstation medizinisch behandelt werden - acht Kinder sind verstorben.

„Das Risiko, an Covid* zu versterben, ist also für Kinder wirklich sehr gering“, so Jörg Dötsch, Direkter der Kinder- und Jugendklinik an der Uniklinik Köln gegenüber Welt. Das Virus könne natürlich auch für Kinder und Jugendliche gefährlich werden, allerdings verlaufe es in den allermeisten Fällen ohne schwere Erkrankung* - die meisten würden davon gar nichts mitbekommen.

Nach Corona-Infektion: Wissenschaftler grübeln über „PIMS“

Was den Wissenschaftlern und Ärzten hingegen deutlich mehr Sorgen bereitet, ist die schwere Entzündungsreaktion „PIMS“ - Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome. Diese taucht vereinzelt bei Kindern auf, Wochen nach der eigentlichen Corona-Erkrankung*. Dabei werden die Jugendlichen teilweise mit hohem Fieber, Hautausschlägen und starken Bauchschmerzen eingewiesen. Außerdem kann der Kreislauf kollabieren und die Lunge versagen.

Laut Reinhard Berner, einem Kinder- und Jugendmediziner, wurden bislang 281 Fälle der „seltenen Komplikation“ in deutschen Kliniken gemeldet - das gab er gegenüber Welt an. Wissenschaftler rätseln noch, was genau der Auslöser für PIMS ist. Experten würden nur beobachten können, was im Inneren der Kinder-Körper genau passiert. Aktuell würden laut Roland Elling, Teil des Intensivteams im Freiburger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, und Welt zwei Erklärungsansätze diskutiert werden:

„PIMS“ - Zwei Theorien im Umlauf

Zum einen die Superantigen-Hypothese, die davon ausgeht, dass das Spike-Protein des Coronavirus bei manchen Kindern sehr viele T-Zellen des Immunsystems auf einmal aktiviere. Die Immunreaktion würde dann „überschießen“ und die eigenen Körperzellen angreifen. Die Theorie wird angezweifelt, weil mehrere Wochen zwischen der Corona-Infektion und PIMS liegen.

Die Autoantikörper-Hypothese glaubt hingegen, dass sich nach der Infektion mit mildem Verlauf B-Zellen bilden würden, Antikörper ausschütten. Diese würden eigene Strukturen im Körper angreifen, was den Blutgefäßen schaden und Herzmuskelgewebe in Mitleidenschaft ziehen könne.

Ärzte und Pflegekräfte können „PIMS“ gut behandeln

Die gute Nachricht: Mittlerweile wissen Ärzte und Pflegekräfte, wie PIMS-Fälle zu behandeln sind. Zwar müssen über 50 Prozent aller Erkrankten auf die Intensivstation, jedoch können sie dort effektiv behandelt werden. Die „Mehrheit der PIMS-Fälle in Deutschland konnte mit entzündungshemmenden Mitteln gut behandelt werden“, erklärt Berner. Dementsprechend gab es auch noch keine Todesfälle*. Allerdings würden bei rund fünf Prozent der Erkrankten noch Folgeschäden erwartet. (ta) *Merkur.de und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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