Meldungen über dubioses Vorgehen

Corona-Krise in den USA: Trump-Regierung sorgt für Eklat - Atemschutzmasken „auf dem Rollfeld“ weggeschnappt?

Inmitten der Corona-Krise hält US-Präsident Donald Trump an seiner „America First“-Strategie fest. Aktuell kaufen die USA offenbar die Schutzmaskenbestellungen anderer Länder auf. 

Update vom 6. April:Die USA haben Vorwürfe zurückgewiesen, sie hätten für die Berliner Polizei bestimmte Schutzmasken in die USA umgeleitet. „Die Regierung der Vereinigten Staaten hat nichts unternommen, um für Deutschland bestimmte 3M-Lieferungen umzuleiten, noch wussten wir irgendetwas von solchen Sendungen“, sagte ein Sprecher der US-Botschaft in Berlin. „Die USA arbeiten mit ihren Partnern und Verbündeten solidarisch daran, humanitäre Hilfe für bedürftige Länder bereitzustellen und alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, die Verbreitung des Coronavirus zu bekämpfen.“

Man sei besorgt „über die allgegenwärtigen Versuche, die internationalen Anstrengungen durch Desinformationskampagnen ohne Angaben von Quellen zu spalten“.

Eine für die Berliner Polizei bestimmte Lieferung von 200 000 Schutzmasken, die von der US-Firma 3M stammen soll, war auf dem Flughafen der thailändischen Hauptstadt Bangkok verschwunden.

Erstmeldung vom 4. April:

Berlin/Washington - Inmitten der weltweiten Corona-Krise sollen die USA von anderen Staaten bestellte Schutzmaskenkontingente aufgekauft haben. Das könnte in Europa zu einem dramatischen Engpass führen. Bisher bestreiten die USA die Vorwürfe, Frankreich und anderen Nationen in China hergestellte Schutzmasken heimlich weggekauft zu haben. „Die US-Regierung hat keine einzige Maske gekauft, die von China an Frankreich geliefert werden sollte“, erzählte ein US-Regierungsvertreter der AFP. 

Die Präsidenten von drei französischen Regionen hatten den USA ein unsolidarisches Verhalten vorgeworfen, auch der nördliche US-Nachbar Kanada lässt mittlerweile entsprechende Berichte prüfen. Laut einer Regierungssprecherin aus Frankreich gebe es derzeit „weltweite Spannungen“ auf dem Markt für Schutzbekleidung und -ausrüstung.

Corona: USA reagieren rigide auf Schutzmasken-Knappheit

Wie der Tagesspiegel vermeldet, seien auch für Deutschland vorgesehene Kontingente der Schutzausrüstung durch die USA abgefangen worden und statt nach Europa auf direktem Wege nach Nordamerika befördert worden. Dem Bericht nach hatte die Bundesregierung* bei dem chinesischen Hersteller Atemschutzmasken (Schutzklassen FFP2 und FFP3) geordert, die speziell für Einsatzkräfte und Pflegepersonal vorgesehen waren. 

Bei dem Produzenten der Atemschutzmasken* soll es sich demnach um eine US-Firma handeln, die das medizinische Zubehör in China herstellt und von dort aus in weitere Weltmärkte vertreibt.

Atemschutzmasken: Sichern sich die USA Kontingente von Europa?

Der Regierungsvertreter der Vereinigten Staaten, der offenbar anonym bleiben wollte, bezeichnete die Vorwürfe aus Frankreich hingegen als „komplett falsch“. Die schwerwiegenden Vorwürfe werden unter anderem aus den beiden in Frankreich am schwersten betroffenen Regionen erhoben - dem Elsass, im Grenzgebiet zu Deutschland, und dem Pariser Großraum. „Wir haben uns von Amerikanern, die uns überboten haben, eine Lieferung wegschnappen lassen“, sagte etwa die Präsidentin der französischen Hauptstadtregion Ile-de-France, Valérie Pécresse, einem TV-Sender. Auch der Präsident der östlichen Grenzregion Grand Est, Jean Rottner, betonte, US-Amerikaner würden von Frankreich bestellte Masken in China „auf dem Rollfeld“ aufkaufen: „Sie zücken Bargeld und zahlen drei oder viermal so viel wie unseren Bestellpreis.“

Ein Flugzeug des NFL-Klubs New England Patriots transportiert Schutzausrüstung in die USA.

Der französische Premierminister Edouard Philippe sprach von „echten Schwierigkeiten“ beim Beschaffen von Schutzmasken und einer „beträchtlichen Nachfrage der Vereinigten Staaten in China“. Bestellungen würden demnach „nicht immer geliefert“, sagte er. Weitere Details nannte er nicht - Frankreich habe jedoch über eine Milliarde Schutzmasken aus dem Reich der Mitte bestellt.

Kauf von Atemschutzmasken: Auch Kanada erhebt Vorwürfe

Auch aus dem US-Nachbarland Kanada werden indirekt Vorwürfe an die Vereinigten Staaten formuliert: Premierminister Justin Trudeau ordnete an, die „besorgniserregenden“ Berichte zu überprüfen. Er könne die riesige Nachfrage aus den USA verstehen, sagte Trudeau mit Blick auf die aktuell über 6000 Todesfälle im Nachbarland*. Aber auch in Kanada sei die Lage ernst. „Wir müssen sicherstellen, dass für Kanada bestimmte Ausrüstung nach Kanada kommt und dort bleibt“, betonte er.

Wegen der Corona-Krise melden einige Länder Engpässe bei der medizinischen Ausrüstung. Demnach mangele es hauptsächlich an Schutzmasken für medizinisches Personal. Auch in der Bevölkerung wächst das Interesse an Atemschutzmasken kontinuierlich. Als erstes Land in Europa hatte kürzlich Österreich diesbezüglich eine Pflicht angekündigt, die ab Montag umgesetzt werden soll. 

Kanzlerin Angela Merkel berät nun mit dem Krisen-Kabinett über weitere Corona-Maßnahmen in Deutschland.*

In den USA sind aktuell fast 250.000 Menschen mit dem neuartigen Virus infiziert. Das meldet die Johns-Hopkins-Universität. Innerhalb weniger Tage fast 6000 Menschen an den Folgen der Infektion  gestorben - eine Frau aus Michigan verlor ihren Mann und ihren Sohn innerhalb von drei Tagen. Donald Trump verspricht indessen fast täglich einen neue „Wunderwaffe“. Eine minutiöse Chronologie von Trumps Corona-Patzern bringt den Präsidenten in Bedrängnis.

Weltweit herrscht Angst vor dem Coronavirus - doch ist die Sorge verhältnismäßig? Merkur.de* zeigt Statistiken, wie die Fakten wirklich aussehen.

PF/AFP

*Merkur.de ist ein Angebot des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Alex Brandon

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