Das Geheimnis liegt in den Blutzellen

Forscher machen bedeutsame Entdeckung: Warnsignal für schwere Corona-Verläufe identifiziert

Eine Probandin bekommt in einem Testzentrum des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung für eine bundesweite Corona-Antikörper-Studie Blut abgenommen
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Forscher haben ein wichtiges Warnsignal für schwere Corona-Verläufe gefunden.

Manche Menschen haben kaum Symptome, andere erkranken lebensbedrohlich. Ein internationales Forscherteam ist jetzt auf ein Indiz für besonders schwere Corona-Verläufe gestoßen.

  • Warum Infektionen mit dem Coronavirus* so unterschiedlich ausfallen, war lange unklar.
  • Ein Forscherteam konnte jetzt ein wichtiges Warnsignal im Blut ausmachen.
  • In Zukunft könnten so mögliche schwere Verläufe frühzeitig erkannt werden.

Kiel - Das Coronavirus gibt der Wissenschaft viele Rätsel auf. Eines davon könnte ein internationales Forscherteam aus Deutschland und den Niederlanden jetzt gelüftet haben. Denn sie haben untersucht, wie es dazu kommt, dass manche Menschen nur leichte oder gar keine Symptome zeigen und andere lebensbedrohlich erkranken - dabei haben sie ein wichtiges Warnsignal gefunden.

Bei diesen schweren Verläufen ist oft nicht nur die Lunge betroffen, sondern auch Herz oder Nieren. Vieles deutet daraufhin, dass in solchen Fällen eine fehlerhafte Immunantwort des Körpers verantwortlich ist. Aber laut den Studienautoren häufen sich auch die Hinweise, dass die Schädigung kleiner Blutgefässe und eine überaktive Blutgerinnung im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion problematisch sein können. Eine der häufigsten direkten Todesursachen von Covid-19 sind Blutgerinnsel in der Lunge.

Erforschung von Covid-19-Verläufen: In unserem Blut liegt ein wichtiger Warnhinweis

An dem wissenschaftlichen Projekt haben Forschende von Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Schleswig Holstein und den Niederlanden gearbeitet. Für die Studie, die Ende November im Fachmagazin Immunity veröffentlicht wurde, fand eine Analyse von Blutproben 14 verschiedener Patienten statt. Diese wurden dann mit dem Blut gesunder Menschen verglichen. Das Ergebnis: Bei einer Erkrankung an Covid-19 spielen nicht nur klassische Immunzellen eine wichtige Rolle. Bei schweren Krankheitsverläufen werden unreife Blutzellen, die eigentlich noch im Knochenmark reifen sollten, freigesetzt. Das kann dann zu Komplikationen führen, heißt es in der Analyse.

Zwei unreife Zelltypen sind besonders charakteristisch für schwere Covid-19-Verläufe: unreife Vorläuferzellen der Blutplättchen und unreife rote Blutkörperchen. „Dies ist besonders überraschend, weil sich diese Vorläuferzellen normalerweise nicht im Blut, sondern im Knochenmark befinden, wo sie nach Bedarf heranreifen“, erklärt Erstautor Dr. Florian Tran in einer Zusammenfassung der Universität Kiel. Man kenne das Phänomen aber von Patienten mit einer schweren bakteriellen Blutvergiftung. Auch da würden unreife Zellen ins Blut geschwemmt.

Dank Corona-Forschung Leben retten? So könnte man schwere Verläufe früher erkennen

Den Forschern* ist es gelungen von diesen Zellen und ihrer Funktionsweise eine Art Fingerabdruck zu gewinnen. „Zusammen mit anderen Daten wie klinischen Laborwerten und Messungen von Entzündungsbotenstoffen konnten wir eine Art Fingerabdruck, eine Signatur, der veränderten Funktion dieser Zellen erstellen und über die Zeit verfolgen“, erklärt Erstautorin Dr. Neha Mishra.

Anhand dieses Fingerabdruckes will man nun Patienten identifizieren, die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Die Forscher hoffen, dass ihre Studie Ausgangspunkt für die frühzeitige Erkennung schwerer Verläufe sein kann. So wäre eine gezieltere Vorbereitung und eine schnellere Behandlung möglich, die vielleicht Leben retten kann. Die Studie zeigt nebenbei auch, dass nicht nur die Forschung an Tests und Impfstoffen* wichtig ist. (mam) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

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