Dunkelziffer

Corona-Infektion ohne Symptome: Studie nennt Zahlen - sie zeigen das Ausmaß der Pandemie

Die Coronavirus-Pandemie forderte bisher weltweit mehr als eine Million Todesopfer. Die meisten davon gab es in den USA. Jetzt nennt eine Studie noch weitaus höhere Zahlen - Wie tödlich ist das Virus wirklich?

Großbritannien - Als „qualvollen Meilenstein“ bezeichnete der UN-Generalsekretär António Guterres die aktuell bekannt gegebene Anzahl der Todesopfer, die das Coronavirus weltweit inzwischen gefordert hat. Über eine Million Menschen starben bislang an den Folgen der Infektion. Die USA haben mit über 205.000 Toten die meisten zu beklagen. Und nicht nur dort, sondern auf der ganzen Welt steigen die Zahlen weiter rasant.

Doch das wahre Ausmaß der Coronavirus-Pandemie soll noch viel schlimmer als ohnehin schon angedacht sein. Seit ihrem Beginn erkrankten weltweit mehr als 33 Millionen Menschen nachgewiesen an Covid-19. Jetzt berichtet die englische Fachzeitschrift The Economist davon, dass in Wahrheit zwischen 500 und 730 Millionen Menschen infiziert seien. Somit wären 9,3 Prozent der Weltbevölkerung betroffen.

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Eine Million Corona-Infektionen im Januar - heute sollen es bis zu 730 Millionen sein

Der Bericht basiert auf „Serostudien“, bei denen das Blutserum der Probanden auf Antikörper getestet wird. Aus der Auswertung von insgesamt 279 Anti-Körperstudien aus 19 Ländern, schließt der Bericht des Economist, dass es bereits im Januar rund eine Million Infizierte gegeben haben muss. Als im Mai die Coronavirus-Pandemie ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, erkrankten demnach weltweit fünf Millionen Menschen täglich.

Dieses bis dato ungeahnte, erschreckende Ausmaß der Fallzahlen, ergebe sich, so heißt es im Economist, vor allem dadurch, dass viele der Infizierten für sich selbst kaum merklich erkranken* - und so viele der Menschen, die am Coronavirus erkrankt sind, nicht als Infizierte erkannt und somit auch nicht registriert werden können. Glaubt man den Schätzungen des Fachblattes, gibt es in Deutschland mehr als viermal so viele Infizierte*, als bisher bekannt. In Indien könnten sich die bekannte Zahl der Infizierten sogar um das 44-Fache multiplizieren.

Ist das Coronavirus weniger tödlich als angenommen?

Doch was kann man aus diesen Erkenntnissen wirklich schließen? Denkbar wäre etwa, dass das Coronavirus weniger tödlich als bisher angenommen ist. Experten weltweit gehen noch immer davon aus, dass viele Todesfälle - vor allem in Ländern mit minderer, medizinischer Versorgung - fälschlicherweise nicht auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zurückgeführt wurden. Viele Menschen wären an der Lungeninfektion gestorben, ohne davor einen Test gemacht zu haben. Alle jene Opfer des Virus wären dann nicht in den Statistiken enthalten, resümiert auch das Nachrichtenportal OE24.

US-Wissenschaftlern zufolge starben seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie weltweit bereits mehr als eine Million Menschen an einer Infektion. Dabei sticht ein Land bei den Zahlen besonders hervor: die USA. Während US-Präsident Donald Trump* wochen-, gar monatelang die Existenz des Virus leugnete, hat sein Land rund ein fünftel aller weltweit erfassten Todesfälle zu beklagen. In den USA starben also weltweit die meisten Menschen am Coronavirus. Dies geht aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität hervor.

Nun wieder zur These des Economist: Nicht jeder der Infizierten in den USA wird eine Behandlung im Krankenhaus angetreten haben - die einen, weil sie sich die medizinische Versorgung nicht leisten hätten können, die anderen, weil sie etwa gar nicht bemerkt haben könnten, dass sie am Coronavirus erkrankt sind. Zudem wurde nicht jeder der Toten in den USA im Zeitraum von Januar bis heute auf das Virus getestet - so könnten also auch hier die Zahlen noch um ein vielfaches höher angesiedelt sein als die gerade bekanntgegeben Zahlen. In Entwicklungsländern sind die Testkapazitäten nach wie vor nicht ausreichend, weder um Lebende noch Tode auf eine Coronavirus-Infektion zu untersuchen. So könnten die drastischen Korrekturen*, die der Economist an den aktuellen, weltweiten Zahlen vorzunehmen versucht, durchaus Sinn ergeben. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Video: Weltweit gibt es mehr als 1 Million Corona-Tote - die meisten Opfer haben die USA:

Rubriklistenbild: © Omar Martínez/ dpa/ Picture Alliance

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