Tierquälerei

Hundewelpe musste auf einem Balkon leben - in seinem eigenen Dreck

Eine argentinische Dogge auf einem Balkon eines Mehrfamilienhauses in Österreich
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Herzlos und kein bisschen artgerecht: Jimmy, eine argentinische Dogge, wurde als Welpe wochenlang auf dem Balkon ihres Besitzers ausgesperrt.

Bei Wind und Wetter alleine auf dem Balkon, rund um die Uhr und ohne Auslauf. Diese Strapazen musste Hundewelpe Jimmy über einen längeren Zeitraum erleiden. Seine grundlegendsten Bedürfnisse musste er auf dem Balkon verrichten - bis die Nachbarn die Nase gestrichen voll hatten.

Lochen am See - Dass Hunde Rudeltiere und empfindsame Lebewesen sind, sollte eigentlich jedem klar, der sich eine Fellnase anschafft. Doch ein erschütterndes Beispiel inkompetenter und herzloser Hundehaltung aus Österreich beweist, dass das nicht immer der Fall ist. Dort, genauer gesagt in Ried im Innkreis, musste der Tierschutzhof Pfotenhilfe einen gerade mal acht Monate alten Hund retten, der von seinem Halter bei Wind und Wetter, Tag und Nacht auf dem Balkon eines Mehrparteienhauses gehalten wurde.

Spaziergänge gab es für den zutraulichen und lebensfrohen Rüden „vermutlich gar keine“, so Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe. Der Hund musste sein Geschäft auf dem Balkon verrichten. Wie lange der Hund in dieser desolaten Situation gehalten wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen längeren Zeitraum handelte, ist hoch. Denn erst nachdem die herabtropfenden Exkremente, der unangenehme Geruch und Jimmys Gejaule für die Nachbarn unerträglich wurden, alarmierten sie die Pfotenhilfe.

„Besser spät als nie, sonst wäre der arme Kerl vermutlich heute noch dort gefangen“, so Stadler im Gespräch mit tz.de. „Leider werden die Leute meistens erst dann aktiv, wenn sie sich durch das Tierleid persönlich belästigt fühlen“, berichtet der Tierschützer aus Erfahrung.

Hund Jimmy: Strikte Balkon-Haltung ist extreme Tierquälerei

„Wir haben den Fall schließlich bei der Polizei und den Behörden zur Anzeige gebracht“. Jimmy wurde befreit. Es handelt sich bei ihm um eine argentinische Bulldogge, eine Rasse, die auf eine stattliche Schulterhöhe von bis zu 68 cm anwachsen kann und definitiv nicht in eine Etagenwohnung gehört. Ein Jagdhund, der sich nicht mit ein paar kleinen Spaziergängen zufriedengibt

Warum sein Halter, ein berufstätiger Mann, sich Jimmy überhaupt zugelegt hat, darüber kann Stadler nur spekulieren. Er vermutet, dass der Hund aus Osteuropa stammt und bei unseriösen Welpenhändlern gekauft wurde, denen es gleichgültig ist, wer ihnen die Tiere abnimmt - Hauptsache die Kasse klingelt.

Jimmy wurde auf dem Tierschutzhof der Pfotenhilfe in Lochen am See aufgenommen. Dort konnte er sich unter vielen Streicheleinheiten von seinen physischen und psychischen Strapazen inzwischen erholen. „Jimmy ist ein entzückender, total verschmuster Hund“, berichtet Stadler, der es als seine moralische Pflicht erachtet, Tiere, die durch seine Hinweise an die Behörden, befreit werden, im Anschluss auch zu betreuen.

Tierschützer Jürgen Stadler mit der geretteten Argentinischen Bulldogge Jimmy auf dem Tierschutzhof der Pfotenhilfe in Lochen.

Seit 15 Jahren gibt es den Tierschutzhof Pfotenhilfe nun schon. „Wir sind Gnadenhof und Tierheim in einem“, erklärt Jürgen Stadler dessen Hilfskonzept. „Bei uns landen von Behörden beschlagnahmte, oft ausgebeutete und missbrauchte Tiere sowie Tiere, die von ihren Besitzern nicht mehr gehalten werden können. Wir päppeln sie auf und versuchen sie in liebevolle Hände weiterzuvermitteln - auch nach Deutschland.“ Vermittelt werden hauptsächlich Hunde und Katzen*, alle anderen Tiere wie z.B. Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine verbingen auf dem Tierschutzhof eher ihren Lebensabend.

Video: So erkennen Sie illegale Welpen-Händler

Nicht so Hund Jimmy. Nachdem die Behörden grünes Licht für die Weitervermittlung des leidgeprüften Hundes gegeben hatten, wurde schnell ein neues Zuhause* für ihn gefunden. Jimmy lebt nun bei seiner neuen Besitzerin Natascha S. und genießt mit ihr ausgedehnte Spaziergänge in der Natur und ein eigenes Hundekörbchen - und zwar im Trockenen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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