Reaktionen überschlagen sich

Joko und Klaas schreiben „deutsche TV-Geschichte“ und zeigen harten Alltag einer Pflegekraft - stundenlang

Joko und Klaas dokumentierten am Mittwoch die Schicht einer Pflegekraft aus Münster. Das Echo ist gewaltig. Auch Jens Spahn äußerte sich nun in einer Pressekonferenz.

Update vom 1. April 2021, 11.21 Uhr: „Guten Abend Jens Spahn, empfangen Sie ProSieben?“, fragt Alexander Jorde auf Twitter. Der Krankenpfleger ist einer der Menschen, die auch in der Reportage mit dem Hashtag „#nichtselbstverständlich“ sprechen. Joko und Klaas nutzten ihre im Spiel gegen den Sender ProSieben gewonnene Sendezeit und zeigten die Pflege-Schicht von Meike Ista an der Uniklinik Münster. Normalerweise gewinnen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf 15 Minuten Sendezeit zur Prime-Time, mit denen sie anstellen können, was sie möchten. Diesmal weihten sie aber ProSieben ein - und zeigten eine siebenstündige Schicht aus der Ich-Perspektive. Damit setzten sie ein großes Ausrufezeichen zum Thema Pflegenotstand. Bei den Zuschauer:innen und auch von anderen TV-Sendern wurde die Reportage auf Twitter gefeiert. Arte und RTL2 kommentierten mit „Standing Ovations“ und „Chapeau“-Ausrufen.

Aber auch die Politik, der während der Sendezeit immer wieder Vorwürfe gemacht wurden, zeigte Reaktionen auf die Ausstrahlung. So äußerte sich Olaf Scholz auf Twitter: „Man kann es nicht oft genug sagen - Danke an alle Pflegerinnen & Pfleger! Ohne sie geht nichts. Antwort auf diese Erkenntnis ist nicht, Beifall zu klatschen. Respekt heißt: gute Löhne & Arbeitsbedingungen.“

Joko und Klaas (ProSieben): Jetzt äußert sich Jens Spahn

Aber auch der direkt angesprochene Gesundheitsminister Jens Spahn, erwähnte die Sendung in seiner live übertragenen Pressekonferenz am nächsten Tag (1. April). Darum ging es hauptsächlich um die Impfkampagne in Deutschland, die Ende April weiter Fahrt aufnehmen solle. Er sagte schließlich: „Es ist gut, dass die Pflege in Deutschland nun in der Prime-Time läuft. Ich finde es gut, dass dieser Einsatz auch in der Echtzeit nachzuvollziehen ist, im TV. Das zeigt uns, wie wichtig es ist zu sehen, was auf den Intensivstationen geleistet wird.“ Und weiter: „Pfleger und Pflegerinnen verdienen unseren Respekt aber auch bessere Arbeitsbedingungen“. In weiteren Gesprächen sollen diese Arbeitsbedingungen verbessert werden. Über das Statement von Jens Spahn* berichtet auch msl24.de*

Joko und Klaas (ProSieben): Mit Pflegenotstand-Doku schreiben sie „deutsche TV-Geschichte“

Erstmeldung vom 1. April 2021:
München - Joko Winterscheidt und Klaas Heufler-Umlauf haben ihr erstes Duell gegen ProSieben im Jahr 2021 gewonnen. Das heißt: 15 exklusive Minuten zur besten Sendezeit am Mittwochabend. Das Thema: Pflege. Während der Corona*-Pandemie gewann es noch einmal an Bedeutung, da medizinisches Personal aufgrund der teils überlasteten Intensivstationen am Limit und darüber hinaus arbeitete. Und weil Pflegekräfte auch immer Überstunden leisten, wurden aus den 15 Minuten Sendezeit gleich mal sieben Stunden gemacht.

Es ging darum, auf die wichtige Arbeit der Pflegekräfte aufmerksam zu machen, die fehlende Anerkennung und den Pflegenotstand zu dokumentieren und die Zuschauer miteinzubeziehen. Sie sollten Erfahrungen unter dem Hashtag #nichtselbstverständlich in den sozialen Medien posten. Der Hashtag trendete schon nach kurzer Zeit auf Platz Eins bei Twitter. Die Begeisterung über die Doku war sofort riesig. Sogar Konkurrenz-Sender wie Arte oder RTL lobten Prosieben. Arte schrieb: „Was da gerade bei @ProSieben passiert, dürfte ein Stück deutsche TV-Geschichte sein. Chapeau“

Pflege-Notstand in Deutschland: Joko und Klaas machen mit ProSieben aus 15 Minuten eine stundenlange Reportage

Gleich zu Beginn der Sendung verkünden Joko & Klaas ein Novum: ProSieben* wurde mit ins Boot geholt. Der Sender gewährte dem Duo für diesen Beitrag mehr als 15 Minuten und verzichtete sogar auf Werbung. Dann wird ein Zitat eingeblendet: „Wir sind selbstverständlich. Aber das sind wir nicht.“

Daraufhin filmt jemand, wie er oder sie in der Dunkelheit eine Klinik betritt. Kurz darauf sieht man eine Krankenschwester bei der Arbeit. Der Zuschauer ist hautnah dabei, am Krankenbett, bei den Patienten. Ohne Witz, aber vollem Ernst. Der Beitrag von Joko & Klaas, der einer Reportage gleich kommt, zeigt den Alltag der Pflegekräfte. Einige kommen zu Wort. Schnell wird klar, die 15 Minuten werden nicht nur etwas verlängert, denn der Sender zeigt den kompletten Arbeitstag der Krankenschwester am Stück.

Alle die in der Doku zu Wort kommen betonen, dass ihnen ihr Beruf und ihre Patient:innen am Herzen liegen. Doch wachsender Personalmangel und drohender Pflegenotstand machten den Kliniken und damit auch allen Menschen, die darauf angewiesen sind, zu schaffen.

Joko & Klaas (ProSieben) LIVE: Pflegerin nennt dramatisches Überstunden-Konto von Kollegen

„Pflegekräfte gehen tagtäglich nach Hause mit dem Gefühl, Dinge vergessen zu haben. Mit der Angst, Fehler gemacht zu haben, die Konsequenzen haben. Fehler, die gefährlich sind“, berichtet eine Pflegerin weiter.

Ein anderer Pfleger bezeichnet seinen Job als Kampf: Aufgrund von Personalmangel kann den Patient:innen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden. „Es ist immer auf Kante geplant“, erzählt eine andere Betroffene. „Ich kenne Kollegen, die haben über 300 Überstunden. Dadurch brennen Pfleger:innen aus“.

Ein Altenpfleger moniert, dass es in Altenheimen vor allem „um das Geld“ und „Profit“ gehe. Das Finanzierungssystem habe Anreize geschaffen, im Pflegesystem zu sparen.

Joko & Klaas (ProSieben): Pfleger fordern mehr Geld

Ein Pfleger schildert die aktuelle Situation in deutschen Krankenhäusern. Schon vor Corona* seien Häuser an ihre Grenzen gestoßen. Während zu Beginn der Coronakrise noch dem Pflegepersonal Beifall geklatscht wurde, wurde es danach ziemlich still.

Am Ende sind sich alle Pfleger:innen des Beitrags einig: „Der Pflegeberuf muss besser vergütet werden.“ Sowohl die Belastung durch die Tätigkeit - einige haben Corona*-Patient:innen sterben sehen -, als die Verantwortung würden ein höheres Gehalt rechtfertigen. Kritik an der Politik darf auch nicht fehlen. Ein angekündigter Corona-Bonus sei bei den Pfleger:innen nicht angekommen. Über die Sendung von Joko & Klaas berichtet auch msl24.de* *tz.de, Merkur.de und msl24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA. (mt)

Rubriklistenbild: © ProSieben

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