Welle der Gewalt in Südafrika

40 Morde an einem Wochenende in Kapstadt - Kampf gegen die Gewalt treibt seltsame Blüten

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Die schöne Seite von Kapstadt - doch in manchen Vierteln gibt es gerade eine nie da gewesene Welle der Gewalt. 

40 Morde an einem einzigen Wochenende erschüttern Kapstadt. Jetzt muss sogar die Armee anrücken - und der Kampf gegen die Gewalt treibt skurrile Blüten. 

Kapstadt - Eine nie dagewesene Welle der Gewalt sorgt derzeit für Sorgen in Südafrika. An einem einzigen Wochenende im Juli hat es in mehr als 40 Morde gegeben. Seit Jahresanfang waren es schon mehr als 1600 allein in den Kapebenen nahe dem Flughafen von Kapstadt, wie das Handelsblatt berichtete. In diesem Teil der Stadt regieren Bandenkriminalität und Drogenhandel. 

Ein besonders brutales Beispiel aus dem Juli: Sechs junge Frauen wurden demnach auf offener Straße geradezu hingerichtet. Sie waren bizarrer Weise zunächst selbst nur Augenzeugen bei einem Mord gewesen. „Wir haben wegen der stark eskalierten Bandengewalt eine tiefe Krise“, sagt dazu JP Smith, der im Kapstädter Stadtrat für Sicherheitsfragen zuständig ist. So zitiert ihn die Zeitung

Einzigartige Mordwelle in Kapstadt - obwohl die Stadt eine Menge gewohnt ist

Die Mordwelle ist einzigartig selbst für eine Metropole, die hohe Kriminalitätsraten gewohnt ist. Zum Vergleich: In einer Stadt wie Frankfurt/Main gab es im vergangenen Jahr elf Morde, in München laut aktueller Kriminalitätsstatistik sieben. Die vierstellige Anzahl an Morden allein in den Kapebenen macht das Ausmaß der Gewalt deutlich. Denn dort kann schon der Einkauf oder der Aufenthalt auf der Straße lebensgefährlich sein. 

Das Problemviertel hatten sich die Planer des Apartheidregimes vor 50 Jahren einfallen lassen, um unerwünschte Bevölkerungsgruppen aus ihren Wohnungen nahe dem Stadtzentrum unter dem Tafelberg zu vertreiben. Doch in den Kapebenen herrscht nun: Aussichtslosigkeit, Arbeitslosigkeit, Gewalt. Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich davor, sich in Kapstadt nachts draußen aufzuhalten. 

„Wir sehen uns mit der traurigen Realität konfrontiert, in der es mehr Beerdigungsvorbereitungen auf Friedhöfen als Neugeborene auf der Geburtenstation gibt“, sagt dazu der Polizeiminister. So aussichtslos erscheint der Politik in Kapstadt die Lage, dass inzwischen sogar die Armee in das von Gangs kontrollierte Viertel ausrücken soll. Ziel ist es, die Mordwelle und die Bandengewalt zu beenden. Ob das durch Militäreinsatz gelingen kann, daran gibt es reichlich Zweifel. Viele in Kapstadt beklagen auch eine unfähige und korrupte Polizei. Einig sind sich alle nur darin, dass angesichts von derart vielen Morden schnell etwas passieren muss. 

Skurrile Lösungsvorschläge gegen die Gewalt in Kapstadt 

Sogar Kirchen und ihre Besucher sind vor der Gewalt am Kap der Gefahr nicht sicher. „Frauen können nicht einmal mehr ihre besten Handtaschen zur Kirche tragen, weil niemand weiß, was dort passiert. Unsere Kirche liegt gegenüber der Polizeistation, aber das kümmert die Kriminellen nicht“, klagte zuletzt ein Kirchenvertreter aus dem Kapstadt-Township Langa. 

Mitunter kommt es zu gleichermaßen erschreckenden wie skurrilen Szenen: Vor einigen Tagen hatten sich Täter Zugang zu einer Kirche in der Stadt Port Elizabeth verschafft. Weil der Pfarrer nicht da war, forderten sie von einem jungen Gläubigen Berichten zufolge dessen Mobiltelefon. Zudem zwangen ihn die Einbrecher mit vorgehaltenen Messern, für sie zu beten.

Südafrikas Polizei verfällt in ihrer Not nun sogar auf reichlich unkonventionelle Methoden der Verbrechensbekämpfung. Sie setzt unter anderem auf göttliche Intervention, um der Gewalt in Kapstadt Herr zu werden. Die katholische Nachrichtenagentur KNA zitiert den Polizeivertreter Xoli Mbele mit den Worten: „Wir beten für einen Rückgang der Verbrechen und bitten Gott, einzuschreiten.“

rpp

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