Multi-Milliardär stützt Aktienkurs

SAP: Konzern-Mitgründer Hasso Plattner nutzt Kurs-Debakel für Mega-Zukauf 

SAP-Mitgründer Hasso Plattner hat den Kurssturz vom Montag genutzt und seinen Anteil an dem Software-Konzern kräftig aufgestockt.
+
SAP-Mitgründer Hasso Plattner hat den Kurssturz vom Montag genutzt und seinen Anteil an dem Software-Konzern kräftig aufgestockt.

Die SAP-Aktie ist am Montag nach der zweiten Gewinnwarnung in diesem Jahr böse abgestürzt. Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat den Rückschlag genutzt und weitere Anteile erworben.

  • Die Corona-Pandemie setzt auch dem Walldorfer Software-Riesen SAP zu.
  • Das Unternehmen strich seine Ziele für 2020 zusammen und kappte zudem seine Mittelfrist-Prognose, die Aktie stürzte ab.
  • SAP-Chef Hasso Plattner will nun ein Zeichen setzen.

Update vom 27.10., 11.14 Uhr - SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat den Kurssturz der Aktien des Softwareherstellers zu einem Großeinkauf genutzt. Der Mitgründer des Dax-Konzerns deckte sich zu Wochenbeginn für insgesamt rund 248,5 Millionen Euro mit Papieren ein, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung des Konzerns vom Dienstag hervorgeht. Plattner kaufte demnach zu Kursen von durchschnittlich um die 101 Euro.

Plattner ist vor Gründungskompagnon Dietmar Hopp der größte Einzelaktionär des wertvollsten deutschen börsennotierten Unternehmens und hielt zuletzt knapp 5,9 Prozent der Anteile - aktuell ist das Paket gut 7 Milliarden Euro wert. Hopp hält gut 5 Prozent der Aktien.

Die SAP-Aktie war am Montag wegen eines Strategieschwenks von Vorstandschef Christian Klein um mehr als ein Fünftel auf 97,50 Euro eingebrochen und damit wieder auf den Stand von Anfang April, als sich die Papiere gerade vom Corona-Crash erholten. Dies war der höchste Tagesverlust der Papiere seit den 1990er Jahren, ein Börsenwert von rund 33 Milliarden Euro löste sich in Luft auf. Die SAP-Aktien drehten am Dienstag auf die Nachricht von Plattners Aktienkauf hin ins Plus.

Auch Klein und Finanzchef Luka Mucic hatten nach Fallen der Kurse Aktien nachgekauft, allerdings in einem deutlich kleineren Rahmen. (dpa)

Erstmeldung vom 26. Oktober: Der Walldorfer Software-Konzern SAP hat wegen der Corona*-Krise bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose gekappt und auch seine Mittelfrist-Prognose nach unten revidiert. Die Nachricht sorgte an der Börse für Ausverkaufsstimmung. Am Montag stürzte die Aktie des wertvollsten deutschen Konzerns um rund 21 Prozent auf rund 99 Euro ab. Dies war der größte Tagesverlust bei SAP seit 21 Jahren, 31 Milliarden Euro Börsenbewertung lösten sich damit in Luft auf.

Nach den am Sonntagabend veröffentlichten Zahlen rechnet der Software-Riese für das laufende nun noch mit einem Umsatz zwischen 27,2 und 27,8 Milliarden Euro. Zuvor hatte SAP für 2020 eine Umsatzspanne zwischen 27,8 und 28,5 Milliarden Euro angepeilt. Das um Sondereffekte wie Währungseffekte bereinigte operative Ergebnis soll nun zwischen 8,1 und 8,5 (zuvor 8,1 bis 8,7) Milliarden Euro liegen. Bereits im April hatte der Konzern seine Ziele für 2020 reduziert.

Im abgelaufenen dritten Quartal wies SAP einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf 6,54 Milliarden Euro aus. Das operative Ergebnis sackte um zwölf Prozent auf 1,47 Milliarden Euro ab. Dagegen stiegen die freien Mittelzuflüsse zuletzt dank umfassender Sparmaßnahmen auf rund 1,05 Milliarden Euro deutlich an. Im Vorjahreszeitraum hatte der Free Cash Flow noch bei 370 Millionen Euro gelegen.

SAP: Kunden halten sich wegen Corona bei Investitionen zurück

Viele SAP-Kunden litten unter den wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie, teilte das Unternehmen am Montag mit. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit würden größere Projekte daher „noch genauer geprüft“.

SAP hatte nach einer großen Akquisitionswelle in der Vergangenheit zuletzt mehrfach steigende Margen in Aussicht gestellt. Nach den Plänen sollte die bereinigte Ebit-Marge bis 2023 auf 34 Prozent steigen. Nun hat der Konzern diese Zielmarke kassiert. Die Folgen der Corona-Pandemie und das Wachstum des Cloud-Geschäfts könnten die operative Marge mittelfristig mit vier bis fünf Prozentpunkte belasten, hieß es. Viele Investoren reagierten vergrätzt auf die unerwartete Kehrtwende.

SAP in der Corona-Krise: Konzernchef Christian Klein verteidigt Neuausrichtung gegen Investorenkritik

SAP-Chef Christian Klein verteidigte die neuen Ziele. „Ich opfere den Erfolg unserer Kunden nicht der kurzfristigen Optimierung unserer Marge“. Die Kunden fragten verstärkt nach Cloud-Lösungen. Dabei mieten die Kunden die Software nur noch, statt sie zu kaufen. Um das Cloud-Geschäft weiter anzukurbeln, will SAP die nötige Infrastruktur ausbauen. Insgesamt werde man dafür 2021 und 2022 einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag investieren, sagte SAP-Finanzvorstand Luka Mucic.

SAP hatte in den vergangenen Jahren Milliarden in Zukäufe gesteckt und sein Cloud-Angebot massiv ausgebaut. Kunden monierten aber immer wieder, dass der Konzern es versäumt habe, die neuen Software-Angebote sauber zu integrieren. Hier will SAP-Chef Klein jetzt nachsteuern. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Boulevard

US-Präsidenten und ihre Vierbeiner

US-Präsidenten und ihre Vierbeiner
Technik

Macbook-Pro: Läutet Apples M1-Chip eine neue PC-Ära ein?

Macbook-Pro: Läutet Apples M1-Chip eine neue PC-Ära ein?
Reisen

Abenteuer an Uruguays wilder Atlantikküste

Abenteuer an Uruguays wilder Atlantikküste
Leben

So gelingt der perfekte Mürbeteig

So gelingt der perfekte Mürbeteig

Meistgelesene Artikel

Starbucks schenkt sich zum 40. neues Logo

Starbucks schenkt sich zum 40. neues Logo

„Kontoschnüffelei“: Schufa will Kontoauszüge auswerten - massive Kritik von Verbraucherschützern

„Kontoschnüffelei“: Schufa will Kontoauszüge auswerten - massive Kritik von Verbraucherschützern

Kommentare