Autonomes Fahren im Fokus

Autowelt steht vor Revolution: VW und Microsoft gehen in bestimmter Sache Hand in Hand

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Volkswagen und Microsoft bauen die Zusammenarbeit bei Cloud-Diensten aus: Microsoft-Chef Satya Narayana Nadella (links) und VW-Vorstandschef Herbert Diess in Berlin.

Die Autowelt steht vor einer Revolution: Volkswagen und Microsoft arbeiten nun für einen Cloud-Dienst Hand in Hand. Bald werden Autos zu rollenden Supercomputern.

Wolfsburg - 1925 staunten New Yorker Passanten über ein Auto, das ohne Fahrer durch den Verkehr in Manhattan fuhr. Kleine Elektromotoren an Lenkung, Bremsen und Gaspedal bekamen per Funk Befehle von einem Fahrzeug, das wenige Meter dahinter fuhr. Die Fahrzeuge der Zukunft sollen sich autonom bewegen: Das heißt, sie verhalten sich ähnlich wie Flugzeuge im Autopilotmodus. Lenk-, Blink-, Beschleunigungs- und Bremsmanöver – alles ohne menschliches Eingreifen.

VW und Microsoft kooperieren bei Cloud-Diensten

Dafür braucht es Software. Jetzt gaben Volkswagen-Vorstand Herbert Diess und Microsoft-Chef Satya Narayana Nadella in Berlin bekannt, dass sie umfangreicher als geplant bei Cloud-Diensten aus dem Internet kooperieren werden. Die Volkswagen Automotive Cloud speichert laut HNA* und verarbeitet die Daten der Fahrzeuge der künftigen ID-Modellfamilie und soll digitale Dienste bereitstellen. Diess will VW zum softwaregetriebenen Mobilitätsanbieter weiterentwickeln. Microsoft soll dabei helfen.

Nadella ist auf Europa-Tour: Am Montag traf er in Barcelona Daimler-Chef Dieter Zetsche, nun VW-Chef Diess. Stets ging es um Zusammenarbeit und um Microsofts Cloud Azure. Die Autowelt steht vor einem Umbruch: vom Verbrenner zum e-Auto – ein großer Schritt. Größer sei der Sprung in Richtung autonomes Fahren, sagte Diess. Bei der Hardware, den einzelnen Marken seien die Wolfsburger gut aufgestellt, beim autonomen Fahren müsse man lernen: „Das ist ein langer Weg. Unsere Software-Fähigkeiten sind noch begrenzt, das ändert sich aber gerade.“

Microsoft bietet mit der Cloud Azure eine weltweit einheitliche Lösung für Europa. Künftig soll diese auch in China und den USA verfügbar sein – den Kernmärkten für die vollelektrische und -vernetzte ID-Modellfamilie. Der ID wird im Jahr 2020 in Europa auf den Markt kommen, im gleichen Jahr startet in China die Produktion, in den USA soll er ab 2022 vom Band rollen.

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Autonomes Fahren - das sind die Anforderungen

Die technischen Herausforderungen, um autonomem Fahren zum Durchbruch zu verhelfen, sind enorm:

  • Zum einen muss das Auto „sehen“ können. Dafür sorgen eine Vielzahl von Sensoren wie Radar, Ultraschall, Laser und Kameras.
  • Zum anderen muss das Fahrzeug wissen, wo es gerade fährt. Die vorhandenen GPS-Systeme, mit denen derzeit navigiert wird, reichen nicht aus, weil sie „die Position eines Fahrzeugs nur im Bereich von circa vier Metern erfassen“, heißt es bei Volkswagen. Das sei zu ungenau auf einer Landstraße, die vielleicht nur fünf Meter breit ist.

Je exakter die Daten werden, desto größer wird das Datenvolumen, das Hersteller verarbeiten. Schon heute sammelt ein modernes Auto pro Stunde etwa 25 Gigabyte an Daten. Das entspricht 15 Filmen.

Künftig werden Autos rollenden Supercomputern gleichen, die ein vielfaches an Daten anhäufen und womöglich verraten: den Zustand des Fahrzeugs, das Fahrverhalten des Fahrers, Bewegungsprofile. „Die Daten gehören den Kunden“, sagt Diess. Sie sollen – wie heute schon beim eigenen Smartphone – entscheiden, was privat sei: „Das muss das wesentliche Kriterium sein.“

Mit den Daten lässt sich Geld verdienen – von Dienstleistern, die eine App nach der anderen anbieten, aber auch seitens der Hersteller. 1925 brachte das fahrerlose Auto dem Ingenieur Francis Houdina nur ein paar Zeilen ein. Die New York Times schrieb: „Der Funkwagen schlingerte von links nach rechts den Broadway hinunter.“

Von Martina Hummel

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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